Sie möchten Ihre Weihnachtstradition beleben und Stollen backen? Wir geben Ihnen unser Wissen und eine ausführliche Anleitung mit auf den Weg, damit sich der Aufwand lohnt und Ihr Stollen gut gelingt. Einen guten Stollen selber zu backen beginnt mit einem bewährtem Rezept und guten Zutaten. Butter, Mandeln, Rosinen, Orangeat, Zitronat und Gewürze geben dem Stollen seinen charakteristischen Geschmack.
Das Stollenrezept haben wir für das Backen zu Hause auf zwei Stollen umgerechnet. Es ist das Rezept für Rosinenstollen und gleichzeitig eine gute Grundlage, um einen ganz eigenen Weihnachtsstollen daraus zu machen.
Beim Stollenbacken spielt die Temperatur eine größere Rolle, als man zunächst vermuten könnte. Ein Stollenteig enthält sehr viel Butter. Ist die Butter zu weich oder zu warm, kann das Mehl das Fett nicht mehr ausreichend binden. Der Teig verliert an Stabilität und der Stollen läuft beim Formen und Backen breit.
Zu kalt darf der Stollenteig aber ebenfalls nicht sein. Die Hefe muss einen schweren Teig mit viel Butter, Mandeln und Früchten lockern. Sind die Zutaten zu kalt, wird die Tätigkeit der Hefe eingestellt.
Holen Sie deshalb die Zutaten rechtzeitig aus der Kühlung. Als Orientierung können Sie die Zutaten etwa fünf Stunden vor der Teigbereitung bei einer Raumtemperatur von ungefähr 20 bis 22 °C bereitstellen.
Butter ist ein wichtiger Geschmacksträger im Stollen. Greifen Sie deshalb nicht zur günstigsten Sorte. Preiswerte Butter besitzt häufig einen höheren Wasseranteil und ist weniger cremig und geschmeidig. Wir verwenden für unsere Stollen irische Cremebutter von Kerry, auchKerrygold Buttergenannt.
Butter und Butterschmalz vor der Verarbeitung weichkneten, aber nicht schaumig schlagen. Die richtige Konsistenz ist erreicht, wenn keine festen Stückchen mehr vorhanden sind und sich das Fett gleichmäßig mit den übrigen Zutaten verbinden kann.
Achtung: Die Butter darf dabei nicht warm oder gar flüssig werden. Wird sie zu weich, kann sich das Fett beim Backen aus dem Teig lösen und der Stollen läuft in die Breite.
Die Rosinen werden am Vortag mit dem Rum vermischt. So haben sie genügend Zeit, die Flüssigkeit und das Aroma aufzunehmen.
Geben Sie die Rosinen in eine Schüssel und verteilen Sie den Rum darüber. Während der Ruhezeit werden die Rosinen immer mal wieder durchgemischt. So verteilt sich der Rum gleichmäßig und sammelt sich nicht nur am Boden der Schüssel. Der Rum muss von den Rosinen komplett aufgenommen sein, sonst wird der Teig zu weich.


Für das beste Mandelaroma verwenden Sie ungeschälte Mandeln. Übergießen Sie diese mit heißem Wasser, ziehen Sie die braune Haut ab und mahlen Sie die Mandeln anschließend frisch. Der Aufwand lohnt sich: Frisch abgezogene und gemahlene Mandeln sind deutlich aromatischer.
Mischen Sie 165 g süße Mandeln und 35 g bittere Mandeln mit 170 g Milch und lassen Sie sie etwa 2 Stunden quellen. Nicht wesentlich länger, da die Mischung sonst zu gären beginnen kann.
Das Quellen sorgt für einen saftigeren Stollen: Die Mandeln nehmen die Flüssigkeit bereits vorher auf und entziehen sie später nicht dem Stollenteig.
Für einen normalen Hefeteig könnte man die Hefe direkt zum Teig geben. Bei unserem Stollen muss sie später jedoch einen Teig mit sehr viel Butter, Mandeln und Früchten lockern. Deshalb geben wir der Hefe mit einem Hefestück einen Vorsprung.
Bröckeln Sie die 50 g frische Hefe in eine Schüssel und geben Sie 230 g Milch und 1 g Zucker dazu. Verrühren Sie alles, bis sich die Hefe gelöst hat. Anschließend werden 295 g Mehl untergeknetet.
Das Hefestück sollte nach dem Kneten ungefähr 24 bis 25 °C warm sein. Decken Sie die Schüssel ab und achten Sie darauf, dass der Teig während der Reife nicht auskühlt.
Bei 24 bis 25 °C benötigt das Hefestück 30 bis 45 Minuten. Dabei nimmt es an Volumen zu.
Mit dem Finger können Sie den Reifegrad prüfen:
Hefestück braucht noch Zeit.
Hefestück hat den richtigen Reifegrad.
Es ist überreif.
Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen: Das Hefestück ist reif, die Mandeln haben ihre Milch aufgenommen, die Rosinen den Rum und alle Zutaten haben die richtige Temperatur. Jetzt beginnt die eigentliche Herstellung des Stollenteiges.
Bei diesem schweren, butter- und früchtereichen Teig kommt es vor allem auf die richtige Reihenfolge und eine schonende Verarbeitung an. Zuerst wird der Grundteig hergestellt. Die Rosinen kommen erst ganz zum Schluss dazu.
Geben Sie Butter, Butterschmalz, Zucker, Bourbon-Vanillezucker, Salz, Stollengewürz, Orangeat, Zitronat, Orangenpaste, Zitronenpaste und die gequollenen Mandeln in die Knetschüssel. Anschließend kommen Mehl und das reife Hefestück dazu.
Kneten Sie den Grundteig etwa 3 bis 4 Minuten auf langsamer Stufe. Danach soll er gleichmäßig verbunden und frei von Mehlnestern sein. Der Stollenteig wird bewusst nicht vollständig ausgeknetet, damit seine zarte, leicht mürbe Struktur erhalten bleibt.
Zu kurz geknetet:
Es fehlt die Bindung. Der Stollen wird bröselig und die Scheiben können leicht zerbrechen.
Richtig geknetet:
Der Teig besitzt genügend Bindung, bleibt aber zart und lässt sich später gut schneiden und angenehm auseinanderbrechen.
Zu lange geknetet:
Das Klebergerüst wird zu stark entwickelt. Die Krume wird straff und elastisch.
Geben Sie die vorbereiteten Rosinen erst zum fertigen Grundteig und arbeiten Sie diese kurz und auf langsamer Stufe unter. Sobald die Rosinen gleichmäßig verteilt sind, wird das Kneten beendet.
So bleiben die Früchte möglichst unbeschädigt. Zu langes Mitkneten würde die Rosinen zerdrücken, den Teig verfärben und beschädigte Früchte an die Oberfläche bringen, wo sie beim Backen dunkel und bitter werden können.
Die Rosinen nur so lange unterarbeiten, bis sie gleichmäßig im Teig verteilt sind.
Nach dem Einarbeiten der Rosinen bekommt der fertige Stollenteig eine kurze Ruhe. Dadurch kann sich der Teig entspannen und lässt sich anschließend leichter weiterverarbeiten.
Teilen Sie die etwa 3.050 g Stollenteig anschließend in zwei gleich große Stücke. Jeder Stollen erhält damit ungefähr 1.525 g Teigeinwaage.
Formen Sie die beiden Teigstücke zunächst zu gleichmäßigen Kugeln und lassen Sie diese etwa 30 Minuten ruhen.
Nach der Ruhe formen Sie jede Kugel zu einem gleichmäßigen Strang. Achten Sie darauf, dass der Stollen über seine gesamte Länge möglichst gleichmäßig geformt ist und die Enden nicht wesentlich dünner werden als die Mitte.
Anschließend erhält der Stollen seinen charakteristischen Längsschnitt. Schneiden Sie dabei nicht vollständig bis zu den beiden Enden. Lassen Sie am Anfang und am Ende ungefähr 2,5 cm ungeschnitten.
Der Schnitt gibt dem Stollen beim Backen eine Stelle, an der er sich kontrolliert öffnen kann, anstatt unregelmäßig aufzureißen.
Die Stollen sind geformt und eingeschnitten. Jetzt entscheiden Gare, Temperatur und Backzeit über die spätere Struktur und Saftigkeit. Ein Stollen soll ausreichend gelockert und vollständig durchgebacken sein, dabei aber seine typische kompakte Struktur behalten.
Lassen Sie die geformten Stollen vor dem Backen noch einmal ruhen. Sie sollen dabei sichtbar etwas an Volumen gewinnen, aber nicht vollständig aufgehen.
Beim Stollen ist eine eher knappe Gare erwünscht. Eine zu starke Gare führt zu einer offenen Porung. Wir möchten dagegen eine saftige, eher kompakte Stollenstruktur.
Zu kurz:
Der Stollen ist kaum aufgegangen.
Richtig:
Der Stollen hat sichtbar etwas an Volumen gewonnen, ist aber noch kompakt.
Zu lang:
Der Stollen wird zu locker und bekommt eine offenere Porung.
Heizen Sie den Backofen auf 190 °C vor und geben Sie die Stollen in den vollständig vorgeheizten Ofen.
Backen Sie die Stollen zunächst etwa 20 Minuten bei 190 °C. Sobald eine deutliche Bräunung eingesetzt hat, reduzieren Sie die Temperatur auf etwa 150 °C und backen die Stollen schonend zu Ende.
Für einen Stollen mit etwa 1.525 g Teigeinwaage beträgt die gesamte Backzeit ungefähr 55 Minuten. Je nach Backofen und Form kann die tatsächliche Backzeit etwas abweichen.
Die kräftige Anfangshitze sorgt für den Backtrieb und stabilisiert die Form. Danach wird die Temperatur reduziert, damit der schwere Stollen bis in den Kern durchbackt, ohne außen zu dunkel zu werden.
190 °C zum Anbacken
nach etwa 20 Minuten auf 150 °C reduzieren
Gesamtbackzeit etwa 55 Minuten
Der Stollen muss vollständig ausgebacken sein, soll aber nicht länger als notwendig im Ofen bleiben. Denn mit jeder zusätzlichen Backminute verliert er Feuchtigkeit.
Genau darin liegt die Kunst beim Stollenbacken: durchgebacken, aber möglichst saftig.
In Sachsen sagen wir, der Stollen wird „kurz vor Schliff“ gebacken. Gemeint ist der Punkt, an dem er ausreichend ausgebacken ist, aber nicht unnötig lange im Ofen bleibt.
Kontrollieren Sie den Stollen direkt nach dem Backen. Rosinen, die weit aus dem Teig herausragen und sehr dunkel geworden sind, werden vorsichtig entfernt. Stark gebackene Rosinen können bitter schmecken und das feine Stollenaroma beeinträchtigen.
Mit dem Backen ist der Stollen noch nicht fertig. Durch das anschließende Buttern und Zuckern bekommt er seine typische Oberfläche. Die Fett- und Zuckerschichten tragen außerdem dazu bei, den Stollen vor Feuchtigkeitsverlust zu schützen.
Lassen Sie die Stollen nach dem Backen zunächst etwa 2 bis 3 Stunden abkühlen. Sie sollen nicht mehr heiß, aber auch noch nicht vollständig ausgekühlt sein.
Bestreichen Sie die Stollen jetzt sorgfältig mit zerlassenem Butterschmalz. Achten Sie darauf, dass auch die Seiten und Vertiefungen eine gleichmäßige Fettschicht bekommen.
Auf dem noch warmen Stollen verteilt sich das Butterschmalz gut und bildet eine gleichmäßige Schutzschicht. Sie hilft, den Feuchtigkeitsverlust während des Auskühlens zu vermindern.
Am nächsten Tag ist der Stollen vollständig ausgekühlt. Bestreichen Sie ihn noch einmal mit zerlassenem Butterschmalz und bestreuen Sie ihn anschließend gleichmäßig mit Kristallzucker.
Der Zucker haftet an der frischen Fettschicht und bildet zusammen mit dem Butterschmalz die für Stollen typische schützende Oberfläche.
Die beiden Schichten gehören nicht nur zum Geschmack. Sie bilden eine Barriere an der Oberfläche und helfen dabei, die Saftigkeit des Stollens während der anschließenden Reifezeit zu bewahren.
Nach einem weiteren Tag können Sie den Stollen großzügig mit Puderzucker besieben. Sie können damit auch bis kurz vor dem Anschneiden warten.
Der Puderzucker bildet den Abschluss und gibt dem Stollen seine typische schneeweiße Oberfläche.
| Butterschmalz | 200 g |
| Kristallzucker | 100 g |
| Puderzucker | 100 g |
Nach dem Buttern und Zuckern braucht der Stollen vor allem eines: Zeit zum Reifen. Während dieser Ruhezeit verbinden sich die Aromen von Butter, Früchten, Mandeln und Gewürzen miteinander. Der Stollen entwickelt dadurch seinen typischen Geschmack.
Verpacken Sie den Stollen gut, damit er möglichst wenig Feuchtigkeit verliert. Lagern Sie ihn anschließend kühl und trocken. Eine Temperatur von bis etwa 15 °C ist ideal.
Bei kühler Lagerung bleiben die Fette fest und die schützende Fett-Zucker-Schicht auf der Oberfläche stabil.
Gut verpackt
Kühl und trocken
Möglichst nicht über 15 °C
Wenn Sie unser Grundrezept einmal gebacken haben, können Sie daraus Ihren ganz persönlichen Weihnachtsstollen entwickeln. Früchte, Nüsse und Schokolade bieten dafür viele Möglichkeiten.
Dabei gibt es einen wichtigen Grundsatz: Geben Sie nicht einfach immer mehr schwere Zutaten zusätzlich in den Teig. Der Stollenteig muss die Früchte und Nüsse schließlich tragen können. Tauschen Sie deshalb lieber einen Teil der vorhandenen Zutaten gegen Ihre Lieblingszutaten aus.
Die 700 g Rosinen können Sie ganz oder teilweise durch getrocknete Cranberrys ersetzen.
Cranberrys bringen eine fruchtige, leicht säuerliche Note in den Stollen. Sehr schön funktioniert auch eine Mischung aus Kokosflocken und Cranberrys.
Die süßen Mandeln können Sie ganz oder teilweise gegen Macadamianüsse austauschen.
Macadamianüsse haben einen milden, buttrigen Geschmack und passen deshalb hervorragend zu einem reichhaltigen Stollenteig. Die bitteren Mandeln lassen Sie für das typische Mandelaroma im Rezept.
Für eine schokoladige Variante können Sie Zartbitter-Nuggets unter den fertigen Stollenteig arbeiten.
Zartbitterschokolade harmoniert besonders gut mit den süßen Früchten und den kräftigen Weihnachtsgewürzen. Die Nuggets werden erst zum Schluss vorsichtig untergearbeitet, damit sich der Teig wenig verfärbt.
Natürlich müssen Sie sich nicht für nur eine Variante entscheiden. Cranberrys und Zartbitterschokolade passen beispielsweise wunderbar zusammen. Auch Macadamianüsse lassen sich mit Cranberrys oder Schokolade kombinieren.
Gerade darin liegt der Reiz beim eigenen Stollenrezept: Sie können ausprobieren, welche Mischung Ihnen und Ihrer Familie am besten schmeckt. Vielleicht entsteht dabei mit der Zeit Ihr ganz eigenes Familienrezept.
Wenn man weiß, wie es geht, ist Stollenbacken nicht schwierig. Die Besonderheit liegt weniger in den einzelnen Zutaten als in ihrem Verhältnis zueinander.
Im Dresdner Raum wurde dieses Verhältnis über Generationen auf die Spitze getrieben. Auf vergleichsweise wenig Mehl kommen sehr viel Butter, Mandeln und Trockenfrüchte. Genau das macht den Stollen gehaltvoll, saftig und aromatisch – stellt den Bäcker aber vor eine besondere Aufgabe: Aus all diesen schweren Zutaten muss am Ende noch ein gut gelockertes Gebäck entstehen.
Deshalb funktioniert ein guter Stollen nicht nach dem Prinzip „alles in eine Schüssel und kneten“. Die einzelnen Arbeitsschritte bauen aufeinander auf. Die Rosinen werden vorbereitet, die Mandeln dürfen quellen, die Butter braucht die richtige Konsistenz und die Hefe bekommt mit dem Hefestück optimale Bedingungen, bevor sie den schweren Stollenteig lockern muss.
Auch beim Kneten, beim Einarbeiten der Früchte, beim Formen und schließlich beim Backen kommt es auf die richtige Reihenfolge und den richtigen Zeitpunkt an. Wer versteht, warum diese einzelnen Schritte notwendig sind, für den verliert das Stollenbacken schnell seinen Schrecken.
Genau hier liegt auch ein Stück Dresdner Stollengeschichte. In Dresden entwickelte sich die Tradition der Hausbäckerei. Viele Familien besaßen ihr eigenes Stollenrezept. Die wertvollen Zutaten wurden zum Bäcker gebracht, der daraus nach der Familienrezeptur den Stollenteig bereitete.
Wer selbst genügend Erfahrung mit dem schweren Stollenteig hatte, bereitete ihn zu Hause vor, formte seine Stollen und brachte sie anschließend zum Bäcker. Das eigentliche Ausbacken überließ man lieber dem Fachmann.
Das hatte einen ganz praktischen Grund. In einem Stollen steckten große Mengen Butter, Rosinen, Mandeln, Orangeat und Zitronat sowie kostbare Gewürze. Wer so viel in seine Weihnachtsstollen investiert hatte, wollte diese wertvollen Zutaten nicht durch einen Fehler beim Backen aufs Spiel setzen.
Der Bäcker hatte nicht nur den geeigneten Backofen, sondern vor allem die Erfahrung mit dem schweren Gebäck. Ein Stollen braucht zunächst ausreichend Anfangshitze und wird anschließend milder ausgebacken. Dabei ist möglichst großes Volumen gar nicht das Ziel.
Ein guter sächsischer Stollen darf etwas flacher und kompakter sein. Geht er zu stark auf oder bleibt zu lange im Ofen, verliert er Feuchtigkeit. Die Krume wird trockener und der Stollen kann während seiner späteren Lagerung stärker austrocknen.
Gerade die Feuchtigkeit im Inneren ist aber wichtig für den Geschmack. Ist der Stollen zu trocken, kommen selbst eine hervorragende Butter, aromatische Mandeln und feine Gewürze sensorisch nicht mehr so schön zur Geltung.
In Sachsen spricht man deshalb davon, den Stollen „kurz vor Schliff“ zu backen. Er soll ausreichend ausgebacken sein, aber nicht länger als notwendig im Ofen bleiben. So behält er seine saftige, kompakte Struktur und die Aromen seiner Zutaten können sich entfalten.
In den vergangenen Jahren ist in vielen Haushalten eine regelrechte Brotkultur neu entstanden. Sauerteig wird angesetzt, Brot wieder selbst gebacken und altes Wissen neu entdeckt. Auch bei uns hören wir gerade von jüngeren Leuten immer häufiger die Frage: Wie backt man eigentlich einen richtig guten Stollen?
Darüber freuen wir uns. Denn einen Stollen selbst zu backen bedeutet mehr, als Mehl, Butter, Rosinen und Mandeln miteinander zu verarbeiten. Schon die Vorbereitung gehört dazu: gute Zutaten auswählen, Rosinen ansetzen, Mandeln mahlen, Gewürze vorbereiten und sich die Zeit nehmen, aus all dem etwas Besonderes entstehen zu lassen.
Ein selbst gebackener Stollen trägt damit auch etwas von der Energie seiner Entstehung in sich – von der Vorbereitung, vom eigenen Tun und von der Absicht, für die Familie und die Menschen, die einem nahestehen, etwas besonders Feines zu schaffen.
Unser Rezept soll deshalb nicht in Stein gemeißelt sein. Wenn Sie die Grundlagen des Stollenbackens beherrschen, können Sie damit spielen. Vielleicht ersetzen Sie einen Teil der Rosinen durch Cranberrys, tauschen süße Mandeln gegen Macadamianüsse oder arbeiten Zartbitter-Nuggets in den Teig ein.
Auch Kombinationen sind möglich. Wichtig ist nur, das Verhältnis zwischen Teig und den schweren Einlagen im Auge zu behalten. Statt immer mehr Zutaten hinzuzugeben, ist es meist besser, einen Teil der vorhandenen Früchte oder Nüsse auszutauschen.
Vielleicht verändern Sie das Rezept beim nächsten Weihnachtsfest wieder ein wenig. Und irgendwann wissen Sie aus Erfahrung, welche Früchte hineingehören, welche Gewürze Ihre Familie besonders mag und wie Ihr Stollen am besten gelingt. Dann ist aus einem Rezept Ihr eigener Familienstollen geworden.
Nein. Mit unserem Rezept können Sie einen hervorragenden Weihnachtsstollen backen und sich dabei an der Dresdner Stollentradition orientieren. Zu einem Original Dresdner Christstollen wird er dadurch jedoch nicht. Mit der Bezeichnung „Dresdner Christstollen“ sollten Sie sehr sorgfältig umgehen. Der Name ist keine allgemeine Bezeichnung für einen Stollen, der nach einem Dresdner Rezept oder mit den typischen Zutaten gebacken wurde. Dresdner Christstollen ist eine geschützte geografische Angabe. Für Herkunft, Zutaten und Herstellung gelten festgelegte Anforderungen.
Einen nach unserem Rezept selbst gebackenen Stollen sollten Sie deshalb nicht als „Dresdner Christstollen“ bezeichnen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Stollen angeboten, beworben oder verkauft werden. Der Schutzverband Dresdner Stollen achtet auf die Verwendung der geschützten Bezeichnung und geht gegen unzulässige Kennzeichnungen vor.
Das soll Ihrer Kreativität beim Backen aber keine Grenzen setzen. Nennen Sie Ihr Werk einfach Weihnachtsstollen, Christstollen oder Familienstollen. Sie können unser Grundrezept verändern, Zutaten austauschen und daraus mit der Zeit Ihren ganz persönlichen Stollen entwickeln.
Unsere Dresdner Christstollen werden im geschützten Herkunftsgebiet in unserer Dresdner Stollenbackstube hergestellt. Sie erfüllen die dafür geltenden Anforderungen und tragen das goldene Siegel des Schutzverbandes.
Dann halten Sie es ein wenig wie viele Dresdner Familien vor Ihnen. Sie wissen jetzt, wie viel Vorbereitung, Erfahrung und Gefühl für den Teig in einem guten Stollen stecken.
Wenn Sie selbst backen, wünschen wir Ihnen viel Freude beim Ausprobieren – und vielleicht ist dieses Rezept der Anfang einer neuen Familientradition.
Und wenn Sie neugierig geworden sind, wie Ihr eigener Stollen im Vergleich zu einem Original Dresdner Christstollen abschneidet, probieren Sie doch einfach beide. Vielleicht überrascht Sie das Ergebnis.
In unserer Dresdner Stollenbackstube backen wir seit 1890 Christstollen nach unserer Familienrezeptur.